Donnerstag, 7. April 2005

Amir Molana – the player

Ein Nachwuchs-Fotograf aus Frankfurt in Nahaufnahme

Er gehört zu den Menschen, die andere lieber ausreden lassen, als etwas von sich selbst Preis zu geben. Auch fotografieren lässt er sich nicht besonders gerne oder häufig, lieber steht er hinter der Linse. Trotzdem wirkt Amir Molana nicht etwa verschlossen, wenn er mit seinem freundlichen, dunkelhäutigen Gesicht vor einem sitzt und Latte Machiato mit eigens aufgeschäumter Milch schlürft. Der junge Fotograf ist auf der Suche nach dem, was ihn reizt. Diesen Reiz findet er seit einigen Jahren in den Menschen und ihren unterschiedlichen Facetten. Seitdem er seine erste Kamera besitzt „schießt er Köpfe ab“.

Sein erster Kopfschuss muss etwa zu der Zeit gewesen sein, als er noch als Gast in den Designkursen der Fachhochschule in Darmstadt saß. Die Passion an der Fotografie ist ihm geblieben, doch mittlerweile verwirklicht er seine Ideen in einem kleinen angemieteten Studio in Offenbach - ein Stück weit professioneller, ein Stück weit erfahrener, ein Stück weit selbstbewusster. „Ich will die Menschen so darstellen, wie sie sind. Welchen Charakterzug ich dann betone, das kann ich steuern.“

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Quelle: Amir Molana

In seinen Fotografien sucht Amir nicht nach dem, was die Menschen darstellen, sondern wer sie wirklich sind, wenn sie abends die Türe hinter zu schlagen und die Maske des Alltags aus ihren Gesichtern schwindet. Doch leben konnte er bisher davon leider noch nicht. Zwar kommt er immer wieder an kleinere Aufträge heran. Sein Studium finanziert er sich jedoch größtenteils als Barkeeper in Frankfurt und durch Foto-Assistenz auf Shootings. Wen er nicht fotografieren würde, weiß er gar nicht so genau. Er würde jedenfalls mit niemandem zusammenarbeiten, der ihm den letzten Nerv rauben würde, das würde sich nicht lohnen. Einen derartigen Fall gab es in seiner Laufbahn erst einmal. Da sagte er dann nur mit einer gehörigen Portion Realismus: „Tut mir leid, das wird mit uns nicht funktionieren.“

Am liebsten würde er Kevin Spacey ausreden lassen, würde von ihm wissen wollen, was er frühstückt, welche Jeans er trägt oder wie er aufgewachsen ist. Wie sich der gekrönte Hollywood-Schauspieler an der Oscar-Preisverleihung der breiten Öffentlichkeit präsentiert, spielte hierbei nur noch eine untergeordnete Rolle. Es ist das Menschliche, das Alltägliche, das Persönliche, was den Nachwuchsfotografen an den Menschen interessiert und was er in seinen Bildern immer wieder zu spiegeln versucht. „Ein Foto muss für sich sprechen. So, wie ich die Menschen sehe, so wird es am Ende auch sein. Wenn es nicht funktioniert hat, muss man es eben noch einmal machen und aus seinen Fehlern lernen “.

Bei der Frage, ob er sich selbst denn als Künstler verstehe kommt er ins Straucheln: „Ich mache keine Kunst. Kunst ist eine vagabundierende Geschichte, bei der man Inspiration benötigt. Was ich in meiner Arbeit und in der Ausbildung gelernt habe, ist auf Knopfdruck für die Masse zu produzieren. Meine Ausgangsstellung ist immer ein Problem, welches ich lösen muss. In der Kunst hast Du anfangs kein Problem, du musst Dir erst einmal eines suchen.“ Die Probleme, die er momentan zu lösen hat sind vielfältig. Eines seiner größten und wichtigsten momentanen Projekte ist das Magazin .Shaft. In Zusammenarbeit mit zwei Online-Journalisten arbeitet er an einem Konzept, bei dem er selbst nicht so genau weiß wo es hin führen wird. Doch gerade das stellt für ihn die Spannung des Projektes dar: „Es ist eine neue Erfahrung, ich mache das, um zu sehen, ob es funktioniert.“ Ursprünglich entstand .Shaft als Idee für seine Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt. Mittlerweile wurde die Idee zum Selbstläufer, die nicht länger nur ihn und seine beiden Mitstreiter begeistert.

Der Reiz am Unbekannten, die Versuchung des Neuen und das Risiko zu scheitern machen einen Großteil seiner Arbeit aus. Amir Molana begreift das Leben als eine Art Spiel, dessen Regeln er selbst festlegen kann. „Man hat seine Einsätze, entweder man gewinnt oder man verliert – und es macht Spaß!“ Im Falle einer Niederlage beginnt man nach Amirs Philosophie eben von vorne. Wie auf einem Spielfeld bewegt er sich durch sein Leben und lässt sich unermüdlich spontan und flexibel auf neue Voraussetzungen oder Umstände ein. „Wenn ich mir hundertprozentige Pläne machen würde, wäre ich mehr enttäuscht, als wenn ich mich überraschen lassen würde.“ Fast könnte man meinen, der Satz sei der Leitfaden seiner eigenen Lebensphilosophie. Was nicht heißen soll, dass er keine Ziele verfolgt. Einer seiner größten Träume ist es am Meer zu leben, den er sich auch bald verwirklichen will. „Auch wenn ich dafür mit einem Fischerboot Touristen aufs Meer raus fahren müsste.“ Vielleicht hat er diese Leichtigkeit ja damals vor siebzehn Jahren auf seiner Flucht aus dem Iran mitgebracht und bis heute bewahrt.

Er selbst wäre gerne ein Vogel, der seine Schwingen ausbreitet und scheinbar schwerelos über sein Leben dahin schwebt und nach Belieben die Richtung wechseln kann. „Schon als Kind faszinierten mich die riesengroßen und mächtigen Flügel des Adlers.“ So kraftvoll und instinktiv wie der Flug dieses Raubvogels, so intuitiv gleitet Amir Molana durch seinen eigenen Spielplan des Lebens.

Und hier geht es zum Internet-Auftritt des Spielers Amir Molana

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