Kiwifahrt

Sonntag, 10. April 2005

Fotokunst

Das Bild wurde an der Ostküste Neusseelands aufgenommen. Die Vorraussetzung ein solches Schausspiel der Natur zu fotografieren, ist nicht nur Können, sondern auch eine gehörige Portion Glück.

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Quelle: Mira Waterstradt

Donnerstag, 24. März 2005

Ein Surfer würde es "stoked" nennen...

...angesteckt, abhängig, süchtig vom überwältigenden Gefühl des Glücks, dem perfekten Moment, dem perfekten Platz, der vollkommenen Zufriedenheit.

Zurück im Alltag klammere ich mich an Erinnerungen, Bilder, Assoziationen. Jack Johnson trägt mich zurück ans andere Ende der Welt. Zurück in meinen Campingstuhl. Zurück zum Rauschen des Meeres und den saftigsten grünen Wiesen. Mit der Mouse in der Hand, gleite ich durchs Wasser und geniesse die beeindruckende Szenerie. Wie kurz waren 37 Tage Neuseeland im Vergleich zu 40 Minuten Zugfahren hier in Deutschland?
Begeistert berichte ich von unseren Erlebnissen. Jedes Detail kommt mir erzählenswert vor. Ich könnte stundenlang erzählen.

Doch wie interessant ist das alles für meine Zuhörer? Für wen berichte ich so ausführlich? Vielleicht nur für mich selbst? Auf eine bestimmte Weise bringen mich meine Geschichten wieder zurück. Zurück ins Paradies.

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Quelle: C.R.+M.W. Der Mount Cook (3776m)

Doch wie wird meine Begeisterung verstanden? Kann jemand das überhaupt nachfühlen, der nicht stoked ist oder jemals stoked war?

Stolz schwärmt die Nachbarin vom tollen Hotel, vom Strand, vom Wetter, vom guten Essen. "Aber wie teuer das alles war..." fügt sie hinzu und erfreut sich am neidischen Blick ihrer Zuhörerin.

Ich will keine neidischen Blicke. Ich möchte meine Begeisterung teilen.
Zeigen, wie wichtig solche Erfahrungen sind, wie prägend. Auch ich habe jahrelang kostbare Zeit vergeudet weil ich es einfach nicht besser wusste, dieses Gefühl nicht kannte, nicht stoked war... Ein vollkommender Moment wie in Kaikoura an der Südpazifikküste ist nicht buchbar, nicht bezahlbar - unbezahlbar.

Stoked sein verändert dich. Verändert dein Denken. Was ist wichtig im Leben? Man sieht klarer, viel klarer, während die unvergesslichen Erlebnisse in verschwommen Erinnerungen an einem vorbei ziehen und wieder dieses Gefühl wecken.

Dieses unbeschreibliche Gefühl.

Samstag, 19. März 2005

Auf den Spuren der Maui - der sagenumwobene Milford Sound

Dem Halbgott Tu-te-Raki-Whanoa wurde einst von der Mutter Erde, Papa-Tua-nuku, der Auftrag erteilt, die zerklüftete südwestliche Ecke des Fjordlands zu gestalten. Mit seinem Ko (Grabstock) begann er die vielen verschiedenen Fjords und Sounds zu formen. Wie eine Art Steinmetz bearbeitete Tu den südwestlichen Teil der Südinsel. Jeden Tag wurde er besser und seine Küstenlandschaft immer schöner. Sein Meisterstück jedoch sich von allem bisher gefertigtem unterscheiden. Am Ende meißelte er eine flache Kante, dass die Menschen an seinem Meisterstück anlegen konnten. Er nannte es Piopiotahi "Viele Öffnungen in einem", oder heutzutage besser bekannt als Milford Sound.

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Quelle: C.R.+M.W.: Relaxen am achten Weltwunder

Dies war nur eine der zahllosen Maori Legenden, die uns unser Guide Will zum Besten gab, während wir durch das eiskalte und über 400 Meter tiefe Wasser des Milford Sound glitten. Weit ab von überfüllten Touristenbooten, Flugzeugen und Hubschraubern, paddelten wir an Bergriesen vorbei, die teilweise 90 Grad über 1500 Meter in die Höhe ragten. Die Steilwände des Sounds und der strahlend blaue Himmel (hier regnet es im Durchschnitt acht Meter pro Jahr; es regnet hier an über 250 Tagen; das Wetter wechselt of innerhalb von Minuten; wir genossen 12 Stunden Sonne pur) ließen einen jegliches Gefühl für Grosse und Entfernung verlieren und ließen Boote, Flugzeuge, aber vor allem Menschen als unbedeutend klein erscheinen. Das kleine Rinnsal, das rechts von uns den Hang herab nieselte, entpuppte sich später, als tosender Wasserfall, der aus über 180 Metern Höhe in den Sound stürzt. Vorbei an Seals, mal grünem, mal blauem Wasser und schneebedeckten Gipfeln, kehren wir am Nachmittag wieder zurück. Viele nennen den Milford Sound das achte Weltwunder. Wir gehören ab sofort auch dazu.

(Route: Kaikoura - Arthurs Pass - Greymouth - Paparoa Nationalpark - Franz Josepf Glacier - Fox Glacier - Haast Pass - Wanaka - Queenstown - Fjordland - Milford Sound)

Die Mythologie der Maui

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Quelle: C.R.+M.W.: Die Mythologie der Maui

Zu Beginn herrschte das vollständige Nichts. Nach neun Perioden des Nichts, stiegen Ranginui der Himmelsvater und Papatuanuku die Mutter der Erde aus dem Leib der Dunkelheit. Aus ihrer Vereinigung gingen viele Kinder hervor, die die Nacktheit der Erde bedeckten. Doch da die Eltern so eng miteinander verbunden waren, konnte kein Lichtstrahl die Erde erhellen. Nach einer Ewigkeit des Lebens in Dunkelheit, beschlossen die Kinder die Eltern zu trennen, doch erst Tane-mahuta - der Gott des Waldes - schaffte es mit den Beinen am Boden und den Schultern im Himmel, die beiden zu trennen, so dass Licht auf die Erde einströmen konnte. Und dann kam Aoetearoa.

Lange Zeit nach der Schöpfung der Welt, fuhr eines Tages der Halbgott Maui aufs Meer zum Fischen aus. Er befestigte seinen magischen Angelhaken (das Gebiss seiner Großmutter, einer Hexe) an einem starken Seil und schleuderte die Rute ins Meer. Bald schon hatte er einen riesigen Fisch am haken, den er unter größter Anstrengung herauf zog. Er war sich ins Wasser und tötete den Fisch mit seiner Keule. Dieser Fisch verwandelte sich in die Nordinsel Neuseelands, von den Maui früher Te Ika a Maui (der Fisch von Maui) genannt. Wellington Harbour ist das Fischmaul, die Gegenden Turanki und die Ostküste, die beiden Flossen, der Lake Taupo das Herz und die Halbinsel Northland, der Schwanz. Die Südinsel galt als, Te Weaka a Maui, das Kanu mit dem Maui fischen ging. Die Kaikoura-Halbinsel war der Ort, wo er beim Hochziehen des Fisches seinen Fuß aufsetzte. Te Taumanu o te Waka o Maui (die Ruderbank von Mauis Kanu). Aotearoa war geboren.

Sonderbares Küchengeflüster

Auf einem kleinen verträumten Campingplatz am Rande des Mount Cook Natioalparks, stehen wir in der Küche neben einem alten kanadischen Ehepaar. Nach kurzem Smalltalk widmet sich der weißhaarige Kanadier mit dem braungebrannten Gesicht wieder seinem Toast mit Bohnen und Ei. Und wir bereiten weiter unser Abendessen zu. "Warum seid ihr nach Neuseeland gekommen?" fragt er mich plötzlich. Ich antworte ihm, "um Urlaub zu machen, die Welt kennen zu lernen!". Er nickt und sagt: "Aber warum nicht jedes andere Land? Warum Neuseeland?" Ich erkläre ihm, dass wir das erste Mal auf eigene Faust für eine längere Zeit durch ein Land reisen und Neuseeland zum "Einstieg" der perfekte Ort dafür sei. "Und werdet ihr nach Neuseeland zurückkommen?" fragt der Weiße ohne von seinem Teller aufzuschauen. Mich beschleicht das Gefühl, dass er eigentlich auf etwas anderes hinaus will. "Irgendwann bestimmt!" antworte ich "doch die Welt ist so groß und wir haben bisher so wenig von ihr gesehen, warum sollten wir in naher Zukunft ein Land bereisen, das wir schon gesehen haben?" Wieder nickt der Weis(s)e. Seine Frau fängt an den Tisch abzuräumen und erzählt nicht ohne Stolz: "Wir reisen seit 45 Jahren durch die Welt. Vor 43 Jahren waren wir das letzte Mal in Neuseeland." Der Kanadier erhebt sich vom Tisch und kommt ein Stück auf mich zu. Seine Augen strahlen Erfahrung und Zufriedenheit aus. "Ob Neuseeland die richtige Wahl war in die "Droge Travelln" einzusteigen, wird sich noch weisen. Wenn du in 40 Jahren auf einem kleinen Campingplatz junge Reisende wie euch triffst, und in dieser Zeit, so wie wir, kontinuierlich die Welt bereist hast, wirst du verstehen, was ich meine", sagt er lächelnd. Darauf will ich es natürlich nicht beruhen lassen und hake nach: "Was ist denn falsch an Neuseeland?" Er schaut seine Frau an und sie schenkt ihm ein Lächeln, das zu sagen scheint: los, sag’s ihm! Abermals kommt er auf mich zu und schaut mir in die Augen. "Einerseits hast du Recht. Neuseeland ist im Grunde das perfekte Land, wenn man noch nicht so viel Erfahrung im Travelln gesammelt hat. Die Leute sind hilfsbereit, es gibt nahezu keine Gefahren, die Strassen sind ausgebaut..." während er seine Liste weiter führt, verstehe ich gar nichts mehr. Ich frage mich, ob die "Droge Travelln" auch eine berauschende Wirkung hinterlässt... Als er seine Liste beendet hat, macht er eine kurze Pause. "Das Problem jedoch ist, fügt er lächelnd hinzu, dass ihr euch das schönste Land der Erde als erstes ausgesucht habt. Es gibt noch sehr viele wunderbare Dinge auf der Welt zu sehen, doch alles was in Zukunft kommt, werdet ihr unweigerlich mit Neuseeland vergleichen." Im Herausgehen ruft er mir zu: "Enjoy your trip."

Wieder zu zweit in der kleinen Küche, weiß ich nicht, ob er mit dem Trip die letzten Tage unserer Reise oder den Rest unseres Lebens gemeint hat...

Mittwoch, 9. März 2005

Begegnungen mit dem König der Meere und seinen Untertanen

Ein Erlebnis von Mira

Das wunderbare Sternenzelt der letzten Nacht, so hell und von Sternen übersäht wir noch nie zuvor eines gesehen hatten, hat sein Versprechen auf gutes Wetter erfüllt. Heute werden wir losziehen, um in Kaikoura in die fabelhafte Welt der Meeressäuger einzutauchen, Wale und Delphine zu finden.

Warum wir ausgerechnet dort auf die Suche gehen? Nur wenige Kilometer von der Küste der kleinen Stadt liegt ein riesiger Canyon unter Wasser, der bis zu zwei Kilometer tief, an keinem anderen Ort der Welt so nah am Ufer zu finden ist. Die Wahrscheinlichkeit in Kaikoura in Küstennähe auf Wale zu treffen, die eine gewisse Tiefe zum Überleben brauchen, ist nirgendwo größer. Perfekte Bedingungen, um das erste Mal in unserem Leben dem König der Meere zu begegnen.

Nach einem stürmischen Ritt, der meine Seetauglichkeit auf eine harte Probe stellte, erreichten wir das Gewässer, in dem zuletzt ein Sperm Whale gesichtet wurde. Warum er Sperma-Wal heißt? Ich weiß es nicht! In der "gepflegten" Deutschen Sprache nennt man ihn wohl Pottwal.

Mit Hilfe des Hydrophons, mit welchem man die leisesten Geräusche unter Wasser hören kann, sichten wir schließlich den ersten Sperm Whale (der Pottwal gibt Laute von sich, die teilweise zweimal so laut sind, wie die Triebwerke einer 747). Er dümpelte ganz gemütlich im Meer herum und gewährte uns nur einen Blick auf einen minimalen Teil seines Körpers, dessen Länge bis zu 20 Meter betragen kann und dessen Gewicht bei etwa 50 Tonnen liegt.

Ich kann meinen Blick kaum von dem Koloss lösen, bis er nach einigen Minuten wieder in die Tiefen des Meeres abtaucht. Als er sich verabschiedet, halte ich vor Aufregung den Atem an: Er streckt seine wunderschöne Schwanzflosse elegant in die Höhe und verschwindet. Er ist weg!

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Quelle: C.R.+M.W.: Sperm-Whale (li), Dusky Dolphins (re)

Kaum hat sich das eben gesehene in meinem Bewusstsein festgesetzt, erwartet mich das nächste Erlebnis auf hoher See: die Begegnung mit dem Dusky Dolphin (Dunkler Delphin). Plötzlich befinden wir uns in einer ganzen Herde (über 100 Stück) verspielter Delfine. Fasziniert betrachte ich, wie die schönen Meeressäuger im Wasser herumspringen und ganz nah an das Boot heranschwimmen. Wie könnte ich in diesem Moment des Glücks daran denken, dass Delfine von fast allen Meeresbewohnern ebenso gefürchtet sind, wie Haie? Dass sie skrupellose Killer sind, die ihre Opfer im Rudel jagen und töten und nur für den Menschen einen Freund darstellen? Der Gedanke durchzuckt mich, doch ich kann und will ihn nicht halten.

Nach meiner ersten Begegnung mit den verspielten "Killern" statten wir einer Sealkolonie einen kurzen Besuch ab. Die Pelzrobben dösen faul auf den Felsen in der Sonne und machen kaum die Augen auf, als wir sie passieren. Doch jegliche Trägheit fällt von ihnen ab, wenn sie in ihr Element eintauchen. Sie lassen sich formvollendet durch das Wasser treiben, strecken ihre Flossen in die Höhe, drehen und wenden sich verspielt und wirken trotz ihrer Körpergröße (bis zu 2m) wie kleine Kinder.

Anschließend kehren wir wieder in tiefere Gewässer zurück, um nochmal einen Blick auf einen Pottwal erhaschen zu können. Der Anblick lässt nicht lange auf sich warten und bald halten wir wenige Meter vor dem riesigen Säugetier und lassen sich dort auf den Wellen treiben. Durch die kurze Distanz erkenne ich ganz deutlich die raue, Poren übersähte Haut und die kleine Rückenflosse. Will den Wal anfassen, ihn berühren, würde am liebsten ins Wasser springen, um die ganze Pracht seiner majestätischen Größe zu bewundern. Doch stattdessen bleibe ich starr stehen (soweit das bei dem Wellengang möglich ist) und will mir alles genau einprägen: die gelegentlichen Fontänen, seine Reaktion auf größere Wellen und ich versuche von der sichtbaren Körpergröße auf die Tatsächliche zu schließen.

Doch der Moment geht zu Ende, und ich muss erneut den Atem anhalten, als sich der König der Meere mit seinem graziösen Abgang bei uns, bei mir, verabschiedet!

Dienstag, 8. März 2005

Momentaufnahme: Kaikoura, Südpazifikküste

Ich sitze in meinem Campingstuhl, inmitten von Schilf und Gras. Die langen Stiele bewegen sich gleichmäßig im Wind. Keine Fünfzehn Meter vor mir, der Südpazifik, der sich schier unendlich entlang des Horizonts erstreckt.

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Quelle: C.R.+M.W.: Innere Ruhe und Zufriedenheit

Die Wellen rollen Richtung Strand und brechen sich drei, vier, fünfmal, bevor sie auf die Felsen prallen. Es weht ein kräftiger und kühler Nordwind aus den Bergen, deren Gipfel fast die Wolken berühren. Doch die letzten Strahlen der untergehenden Sonne, verdrängen die Kühle und wärmen meinen Rücken. Der Geruch von Gras und Salzwasser liegt in der Luft. Das Tosen der Wellen und der Wind, der durch das Schilf weht, vermischen sich mit dem Zirpen der Grillen und vereinzelter Schreie der Seemöwen, die in der Abendsonne auf Beutejagd gehen. Ich kaue auf einem Grashalm und schaue hinaus aufs Meer. Ich bin einfach nur dankbar und zufrieden.

(Route: Abel Tasman Nationalpark - Richmond - Nelson - Blenheim - Kaikoura)

Auf der Suche nach Abenteuer im Paradies gelandet...

Was bedeutet Travelling?

Eigentlich nichts anderes als Reisen. Jedoch reisen auf eine ganz besondere Weise. Diese Art zu reisen, differenziert UNS von allen Touris, Pauschalreisenden und Kulturbanausen, die lieber die Ansichtskarten kaufen, als sich all die wunderbaren Dinge selbst zu erleben (obwohl sie vor Ort sind). Die erste Assoziation mit Travelling jedoch ist immer Abenteuer. Nicht wissen, was kommt, wo bin ich, wo schlafe ich Morgen, wen lerne ich kennen, wer wird mich ein Stück auf meiner Reise begleiten? Spontan, offen und mutig ins Unbekannte. Das ist unser Kick, das ist unser Nervenkitzel! Doch während in vielen anderen Ländern der Welt dieses Adrenalin nahezu an jeder Ecke lauert, ist das neuseeländische Abenteuer eher sportlicher Natur.

Die schönsten, interessantesten und spannendsten Wochen unseres Lebens liegen hinter uns. In dieser Zeit war unser Camper immer ein sicherer Halt und gab uns ein gewisses Gefühl von "ein zu Hause haben". Doch nun war die Zeit gekommen, dem Camper den Rücken zu kehren und unserem Abenteuerurlaub ein bisschen mehr Abenteuer zu injizieren. Wir starteten mit dem Sonnenaufgang. Rechts, Links, Rechts, Links tauchten die Paddel in das Kristallklare Wasser des Abel Tasman Nationalparks. Unser Guide Rob führte unsere kleine Kajakgruppe vorbei an steilen Küsten, dichtem Urwald und unzähligen versteckten Buchten mit goldenem Sand. Die Sonne strahlte und ließ den Pazifik in den tollsten Blau- und Grüntönen glitzern. Mantarochen und Seehunde kreuzten unseren Weg und in einer der Buchten sprangen wir in die Fluten und genossen das kühle Nass.

kajaktour
Quelle: C.R.+M.W.: Mit dem Kajak durchs Paradies

Am Nachmittag paddelten wir einen kleinen Fluss entlang, der unglaublicherweise schon nach wenigen Metern schmeckbar kein Salzwasser mehr führte. Wer den Film "The Beach" kennt, kann sich vorstellen, wie der Strand aussah, an dem wir an diesem Abend unsere Zelte aufschlugen. Am nächsten Morgen, bei Low Tide, überquerten wir den Fjord, über den wir am Vortag, bei Flut, noch zum Fluss gepaddelt waren und marschierten gen Norden. Vorbei an Wasserfällen, bizarren Felsformationen und unberührtem Urwald passierten wir eine Traumbucht nach der anderen. Als wir am Nachmittag vom Wassertaxi abgeholt wurden und in 40 Minuten unseren Zweitagestrip im Schnelldurchlauf Revue passieren lassen konnten, wurde uns so langsam klar, dass wir die Ehre hatten, ein Stückchen des Paradieses kennen gelernt zu haben...

(Route: Picton - Marlborough Sound - Nelson - Abel Tasman Nationalpark)

Gute Vorsätze...

Regenjacke, Fliespulli, Mütze, Badehose... mitgenommen haben wir Kleidung für jedes Wetter. Schon vor unserer Reise wussten wir, welche Klimaschwankungen auf uns zukommen würden. Wir lasen und hörten von Regen - viel Regen! "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung" war unser Motto, mit dem festen Vorsatz uns von jeglichen Klima-Einflüssen nicht die Laune verderben zu lassen. Doch wie schnell man alle guten Vorsätze über den Haufen wirft, weiß wohl jeder selbst am besten.

In Neuseeland angekommen erwartete uns Sonnenschein. Nicht nur ein bisschen Sonne, sondern purer Sonnengenuss, Strandwetter, Flip Flop - Wetter (Flip-Flops werden hier übrigens "jentals" genannt). Sechzehn Tage Sonnenschein ohne auch nur einen Tropfen Regen. Bis zum siebzehnten Tag... ich wache auf und höre die Regentropfen gegen die Zeltwand prasseln. Gerade heute wollten wir den Tongario Crossing Track, die wohl schönste Tageswanderung Neuseelands, laufen (aber ist nicht gerade heute immer etwas besonderes, ist nicht jeder Tag besonders?). Ich schiebe die Enttäuschung beiseite und mache Mira, die gerade aufgewacht ist, Hoffnung: "Der Tongarion Nationalpark ist noch 50 km entfernt. Wahrscheinlich ist dort das beste Wetter." Während ich verzweifelt eine Lösung suche, das nasse Zelt zu trocknen, versuche ich krampfhaft selbst diesen Strohhalm der Hoffnung zu ergreifen.
Wir fahren los... und wer hätte das gedacht (ich selbst wohl am wenigsten), ich hatte Recht: nachdem der Regen schon nach wenigen Kilometern aufgehört hatte, rissen die Wolken über dem Gipfel des Mount Tongario auf und die uns so vertrauten Sonnenstrahlen ließen die letzten Schneereste an den Hängen des Vulkans erstrahlen.

clouds
Quelle: C.R.+M.W.: Mount Tongario

Doch die Ernüchterung folgte prompt. Aufgrund der labilen Wetterlage, und da am Wochenende schon mehrere Wanderer verschollen waren, wurde der Track für die kommenden Tage gesperrt. Innerhalb von Sekunden war alle Hoffnung dahin. Betrübt und schweren Herzens ließen wir den Nationalpark hinter uns. Erst später auf der Fahrt nach Wellington erinnerte ich mich wieder an unsere Vorsätze und erst jetzt wurde mir klar, wieviel Glück wir bisher mit dem Wetter hatten und das ich dankbar sein sollte, erst einen Tag Regen erlebt zu haben.

Letztendlich haben wir gelernt, dass das Wetter schon eine Rolle spielt und dass es im Moment einer Enttäuschung sehr schwer ist, das Gesamtbild zu sehen, das sich in unserem Fall doch bisher so positiv gestaltet hatte.

Als wir am nächsten Morgen erwachten, strahlte die Sonne...!

(Route: Te Urewera Nationalpark - Lake Taupo - Tongarion Nationalpark - Wellington - Picton)

Dienstag, 1. März 2005

Geschichte geschrieben...

Am Samstag, den 26.02.05 durften wir mit zwölf anderen Backpackern behaupten, die weltweit ersten Menschen gewesen zu sein, die an diesem Tag die Sonne aufgehen sahen (Wir sind in NZ 12 Stunden voraus und das East Cape ist der östlichste Punkt der hiesigen Halbkugel). Schon um halb sechs starteten wir um den Leuchtturm an der Ostspitze Neuseelands zu erklimmen. Schon bei Tag hinterlässt das East Cape einen bleibenden Eindruck, doch was uns morgens erwarten sollte, überstieg unser Vorstellungsvermögen. Der Südpazifik erstreckte sich über dem kompletten Horizont. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, mit bloßem Augen erkennen zu können, das die Erde rund ist. Noch bevor sich die Sonne zeigte, tauchte sie den Himmel in die unterschiedlichsten gelb- und rot-Töne. Der Himmel schien im Osten zu brennen, während der Norden und der Süden weiterhin in der Dunkelheit lagen.

Vierzehn Leute saßen am Fuße des Leuchtturms und trauten sich angesichts dieses beeindruckenden Naturschauspiels keinen Laut von sich zu geben. Fasziniert beobachteten wir, wie sich der gelbe Feuerball langsam aus dem Ozean erhob und den Himmel erhellte. Dieses Meisterwerk der Natur, diese Bilder und Eindrücke haben sich in unser Herz und für immer in unser Gedächtnis gebrannt. "In Neuseeland den Sonnenaufgang am East Cape beobachten", sollte meiner Meinung nach jeder in seine Lebens-to-do Liste schreiben und ganz fett unterstreichen.

(Route: Rotorua - Tauranga - Whakatane - Eatscape)

Trau Dich!

Du stehst draußen,

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