Freitag, 8. April 2005

Beispielloser Reichtum

billion_dollarDiesen erlangt John Salvatore Fontanelli, Protagonist in Andreas Eschbachs „Eine Billion Dollar“.
John ist der geborene Verlierer. Er lässt sein Leben von einer Freundin bestimmen, welche ihn kurz darauf verlässt, hat sein Studium abgebrochen, fährt mit seinem Fahrrad in New York Pizzas aus und schlägt sich zusammen mit einem Bekannten, der von einer großen Zukunft als Rockstar träumt, mehr schlecht als recht durchs Leben.

Am 23. April 1995 ändert sich dies alles schlagartig. Der junge Amerikaner wird reich, unermesslich reich. Er erbt ein Vermögen von einer Billion Dollar, tausend Milliarden, einer Million Millionen. Dieses Vermögen wurde ihm von einem entfernten Vorfahren im 16. Jahrhundert hinterlassen und wuchs über beinahe 500 Jahre durch Zins und Zinseszins bis in diese astronomische Höhe. Laut dem Testament seines Urahns soll er mit dem Geld der Menschheit die verlorene Zukunft wiedergeben.

Mit dem Antritt des Erbes beginnt für John ein neues Leben. Mittags kauft er Maßanzüge in London, isst zu Abend in Paris und besichtig am nächsten Tag seine neue Jacht. Ganze Nationen reißen sich darum, dass er seinen Wohnsitz auf ihr Staatsgebiet verlegt, die schönsten Frauen der Welt liegen ihm zu Füßen.
Doch was hat es mit der mysteriösen Prophezeiung seines Vorfahren auf sich? Hat die Menschheit ihre Zukunft tatsächlich verloren? Und wenn ja, wie soll er sie wieder zurückbringen? Und wie kann ihm der unbekannte Anrufer helfen, der ihn eines Tages aus dem Schlaf reißt?

Der Autor des Bestsellers „Das Jesus Video“ hat mit „Eine Billion Dollar“ erneut ein fesselndes Werk abgeliefert, das auf die Grundfesten unserer Gesellschaft abzielt. Der heimliche Hauptdarsteller des Buches ist Geld. Diese riesige, kaum zu fassende Menge Geld, die von einem einzigen Mann kontrolliert wird und dazu ausreichen würde, jeden beliebigen Staat auf der Erde zur absoluten Weltmacht zu erheben oder in den endgültigen Ruin zu treiben. Viele Seiten werden der Beschreibung dieses gewaltigen Vermögens geopfert, doch auch nach der Lektüre hat man keine Vorstellung davon, wie viel eine Billion überhaupt ist.

Das Buch wurde im Jahre 2001 geschrieben und blickt somit auf die unmittelbare Vergangenheit zurück – ergänzt durch die Figur John Fontanellis und sein Vermögen von einer Billion Dollar. Geschickt verwebt Eschbach reale Ereignisse – etwa den Tod von Lady Diana oder die Lewinsky-Affäre – mit der fiktiven Handlung seines Romans, was in den Augen des Lesers große Realitätsnähe erzeugt.

Das Ende des Buches ist in meinen Augen nicht ganz so gut gelungen wie in anderen Werken Eschbachs. Was nicht heißen soll, dass es ein schlechtes Ende wäre. Doch das letzte Quäntchen Überraschung, das i-Tüpfelchen sozusagen, bleibt leider aus. Dafür wird man jedoch 800 Seiten lang ausgezeichnet unterhalten und erhält aus der Sicht des kleinen Mannes – John Fontanellis – einen kleinen Einblick in die Welt des ganz großen Geldes.

Ein kleines Gimmick am Rande: Die Seitenangaben des Buches sind in Milliarden Dollar gehalten, es beginnt also auf Seite 1.000.000.000 $, setzt sich auf Seite 2.000.000.000 $ fort und so weiter. Dazu gibt es bei einigen Größen kleine Angaben, wo diese Summe Geldes in der Realität vorkommt. So steht zum Beispiel neben der Seitenangabe 63.000.000.000 $: „Bruttosozialprodukt von Israel 1991“. Und zwei Seiten weiter findet man: „Umsatz von IBM im Jahre 1992“.

Bild: F-punkt-M

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